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Das Blaue Einhorn
Paul Hoorn und Andreas Zöllner
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"Traum mit Schlangen"
Februar 2006 in Waiblingen
"Sinnliches Mahl, fabelhaftes Musizieren"
Traurig,
zärtlich, verspielt: Weltmusik mit dem Dresdner Ensemble Das Blaue Einhorn
Waiblingen.
Ein kubanisches Fabelwesen gibt ihnen ihren Namen. Den vier Weltmusikern
der Gruppe Das blaue Einhorn, die in ihrem neuen Programm "Traum mit
Schlangen" das Publikum im ausverkauften Waiblinger Schwanen auf
einzigartig verführerische Weise ins Dickicht der Städte katapultierten.
Die Einhörner führten damit mitten hinein in die musikalischen Untiefen
der Vorstädte und Altstadtgassen, ihre literarischen Theken und ihre
archaischen Schätze des Lebensausdrucks.
Traurigkeit und Zärtlichkeit bekümmern dabei die Melodien der erzählenden
Musiker. Und nur einen Moment später tanzen, hüpfen und lachen sie auf
ihren Instrumenten so, dass die Bühnenbretter das ganze Glück der Erde zu
tragen scheinen. Ihre Lieder und Texte lesen sie auf den Straßen der Welt
zusammen. Vom portugiesischen Fado bis zum argentinischen Tango, vom
russischen Chanson des Viadimir Vyssozki bis zum griechischen
Rembetikolied aus Thessaloniki hat der Sänger und kreative Kopf Paul Hoorn
auch sprachlich alles parat, was die Städte Europas oder Südamerikas einem
begierig singenden Musiker abverlangen. Paul Hoorn sucht die irdische
Begegnung mit den Städten und ihren Bewohnern spürbar leidenschaftlich.
Und er vermittelt seine Liebe zu den glücklichen und tragischen, den
grauen und farbenstrotzenden Menschengeschichten auf beglückende Weise.
Das vollendet zelebrierte und minutiös ausgearbeitete Bühnenprogramm lebt
vom umfangreichen Können eines studierten Musikers und Komponisten, dessen
musikalische Seele sich offensichtlich von allen nur denkbaren
Musikrichtungen und deren Geheimnissen nährt.
Instrumente aus allen Winkeln der Welt
Die dunklen und lächelnden Geschichten erzählen alle vier auf ihren
vielfältigen Instrumenten in enormer technischer Virtuosität. Dabei wird
das Instrumentarium gekonnt über die Breiten und Längengrade der Welt
hinweg jongliert. Dietrich Zöllner tanzt grandios und beschwörerisch auf
seiner Geige einen argentinischen Tango oder träumt auf dem Cello - das
sich dabei auch durch Bachs Es-Dur-Solosuite schlängelt -, den den
kubanischen "Sueno con Serpientes", der dem Abend seinen Namen gab.
Und was wären die traurigen und melancholischen Melodien des Klezmer ohne
Akkordeon oder Chalumeau, was Rembetiko ohne Bouzuki, was der verblüffend
minimalistisch arrangierte Jaques Brel ohne Trompete, Tuba oder Kontrabass
in "Les Singes", was der Sintiswing ohne Gitarre? Reich sind die
Marktstände urbanen Lebens, und was die vier Musiker vom "Blauen Einhorn"
aus den dort erworbenen Zutaten im Schwanen anrichteten, war ein
sinnliches Mahl, ein fabelhaftes Musizieren.
Ursula Quast
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